Illustration: Pauluskirche in Hamm

Pauluskirche

Der steinerne Orientierungspunkt im Herzen der Stadt

Pauluskirche

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Wer durch die Hammer Innenstadt schlendert, kommt an ihr nicht vorbei – und selbst aus der Ferne weist sie den Weg: Die Pauluskirche ist nicht nur ein Gotteshaus, sondern so etwas wie der steinerne Fixpunkt der Stadt. Seit Jahrhunderten prägt sie das Stadtbild, hat Brände, Umbauten, Bomben und Stilwechsel überstanden – und steht heute selbstbewusst zwischen Geschichte und Gegenwart.

Ein Bauwerk, das Hamm gewachsen ist

Die Pauluskirche ist eine große westfälische Hallenkirche aus dem Übergang von der Früh- zur Hochgotik. Ihre Ursprünge reichen bis kurz nach die Stadtgründung im Jahr 1226 zurück. Chor, Querhaus und das Chorvorjoch stammen noch aus dem späten 13. Jahrhundert, Turm und Langhaus folgten im 14. Jahrhundert.

Was man ihr heute kaum ansieht: Sie hat Hamm mehrfach brennen sehen. Besonders der Stadtbrand von 1741 setzte ihr zu. Beim Wiederaufbau erhielt der Turm statt des gotischen Spitzhelms eine barocke Haube – auf alten Fotos noch gut erkennbar. Erst der heutige Turmhelm, entstanden 1961, orientiert sich wieder stärker an der ursprünglichen Form. Mit 79,30 Metern Höhe zählt der Turm zu den schönsten Turmlösungen Westfalens. Die goldene Spitze kam 1962 dazu – ein kleines, aber selbstbewusstes Zeichen über der Stadt.

Zerstört – und bewusst neu gedacht

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Pauluskirche schwer beschädigt. Der Wiederaufbau von 1952 bis 1954 war kein einfaches Zurück zur Vergangenheit. Zwar wurde die äußere Hülle weitgehend rekonstruiert, im Inneren aber setzte man bewusst auf die Formensprache der 1950er Jahre. Genau dieser Spannungsbogen macht den besonderen Reiz aus:
Mittelalterliche Architektur trifft auf klare, moderne Gestaltung.

Eine umfassende Sanierung von außen und innen folgte 2006, seit 2007 zeigt eine neue Turmuhr wieder zuverlässig die Zeit an. Seit 1985 steht das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz.

Details, die Geschichten erzählen

Ein Rundgang lohnt sich auch wegen der erhaltenen Epitaphe aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Im Südschiff findet sich der Gedenkstein des Pentling von Münster († 1609), im Hauptschiff der reich verzierte Stein des Heinrich von Wrede († 1614) mit 16 Wappen. Ebenfalls dort steht der Gedenkstein des Generalmajors Johannes Du Buisson († 1726).

An der Chorwand ist der Grabstein des Johann Diedrich von Lemgow († 1653) eingelassen – ein Name, der in Hamm Geschichte hat: Aus seiner Familie gingen über Jahrhunderte mehrere Bürgermeister hervor.

Ein klangliches Highlight ist die Orgel im nördlichen Querschiff, gebaut 1967 von der Hamburger Orgelbaufirma von Beckerath. Auch sie steht exemplarisch für den bewussten Bruch zwischen mittelalterlichem Raum und moderner Gestaltung.

Mehr als Kirche: ein Stück Stadtidentität

Die Pauluskirche war immer eng mit der Stadtgesellschaft verbunden. Die zugehörige Pfarrei entstand 1337, und ab 1562 setzte sich hier unter Carolus Gallus das reformierte Bekenntnis durch. Bis heute ist sie geistliches Zentrum der evangelisch-reformierten Gemeinde und zugleich ein offener Ort für Musik, Begegnung und Stadtleben.

Warum man hier stehen bleiben sollte

Die Pauluskirche ist kein Museum hinter Glas. Sie ist ein Bauwerk, das Veränderungen sichtbar zulässt – und gerade deshalb erzählt, wie Hamm geworden ist, was es ausgehalten hat und wie jede Epoche ihre Spuren hinterlassen hat. Wer verstehen will, warum die Innenstadt so wirkt, wie sie wirkt, sollte hier beginnen. Oder kurz innehalten. Und nach oben schauen.


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