Illustration: Stunikenhaus in Hamm

Stunikenhaus

Der steinerne Orientierungspunkt im Herzen der Stadt

Stunikenhaus – Barocke Eleganz mitten in der Stadt

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Ein paar Schritte abseits der großen Wege, an der Antonistraße, steht ein Haus, das leise erzählt – aber viel zu sagen hat. Das Stunikenhaus ist kein Bauwerk, das sich in den Vordergrund drängt. Und genau das macht seinen Reiz aus. Wer hier stehen bleibt, merkt schnell: Das ist kein Museum, sondern ein Ort mit Vergangenheit und Gegenwart.

Ein Kaufmann, ein Haus – und viel Geschichte

Erbaut wurde das Stunikenhaus 1748 von Johann Bernhard Stuniken, Kaufmann und damaliger Oberbrandmeister der Stadt. Schon das verrät einiges: Hier plante jemand nicht nur für den Moment, sondern für Generationen. Während andere Häuser in Hamm aus Fachwerk entstanden, ließ Stuniken sein Bürgerhaus komplett aus Stein errichten – stabil, repräsentativ und ungewöhnlich für die Zeit.

Diese Entscheidung zahlte sich aus. Das Stunikenhaus überstand sowohl die Stadtbrände des 18. Jahrhunderts als auch den Luftkrieg der Jahre 1943 bis 1945, in dem große Teile der historischen Innenstadt zerstört wurden. Damit gehört es heute zu den wenigen barocken Gebäuden der Stadt – und zu den stillen Überlebenden der Hammer Geschichte.

Norddeutscher Stil, westfälischer Boden

Architektonisch fällt das Haus Kennern sofort auf. Das giebelständige Gebäude mit seiner Freitreppe erinnert eher an norddeutsche Kaufmannshäuser als an typische westfälische Bauweise. Vermutlich spielten Stunikens Handelsbeziehungen bis nach Amsterdam eine Rolle: Die klaren Linien und die umlaufende Fensterfront im Obergeschoss orientieren sich an den Grachtenhäusern.

Unter dem Haus verbirgt sich ein Kreuzgewölbekeller eines älteren Vorgängerbaus – ein schönes Detail für alle, die gern wissen, was unter ihren Füßen liegt.

Vom Sanierungsfall zum Schmuckstück

Über die Jahrhunderte wechselte das Haus mehrfach den Besitzer und verlor zeitweise deutlich an Glanz. Als die Stadt Hamm das Gebäude 1977 erwarb, war es sichtbar in die Jahre gekommen. Zwischen 1978 und 1981 folgte eine umfassende Restaurierung – und das Stunikenhaus bekam eine zweite Chance. Seit 1986 steht es offiziell unter Denkmalschutz.

Ein weiterer Wendepunkt kam 2011, als ein Hammer Bürger das Haus erwarb. Innen wie außen wurde es denkmalgerecht erneuert, ergänzt um einen nach westfälischem Vorbild angelegten Garten mit historischer Brunnenanlage. Ein Ort zum Durchatmen – mitten in der Stadt.

Kultur statt Kulisse

Heute ist das Stunikenhaus alles andere als still. Mit dem Einzug des Bildungswerks für Theater und Kultur (BTK) und des Verbands der Freilichtbühnen (VDF) hat sich das Haus klar der Kultur verschrieben.

Das BTK bietet hier Kurse in Theater, Clownerie und Musik an – von kurzen Workshops bis zu längeren Fortbildungen in Theaterpädagogik und Clownerie. Der VDF, gegründet 1953 und eng mit der Waldbühne Heessen verbunden, nutzt das Haus als organisatorisches Zentrum. Zusammen verfolgen die Mieter eine gemeinsame Idee: das Stunikenhaus als „Stunikenkulturhaus“ – offen, lebendig und zum Mitmachen gedacht.

Zwischenzeitlich war das Haus auch Treffpunkt für Gastronomie und gesellschaftliche Veranstaltungen, unter anderem als Stuniken-Club und später als öffentliches Restaurant. Auch das gehört zur Geschichte dieses Ortes: Er passt sich an, ohne sich selbst zu verlieren.

Warum man hier stehen bleiben sollte

Das Stunikenhaus ist kein lauter Anziehungspunkt. Es ist ein Ort für den zweiten Blick. Für alle, die wissen wollen, wie Hamm abseits der großen Wahrzeichen aussieht. Barocke Architektur, überlebte Geschichte, gelebte Kultur – alles an einem Haus.

Wer durch die Innenstadt geht, sollte einen kleinen Abstecher einplanen. Nicht lange. Aber lang genug, um zu merken: Manche Orte wirken erst dann, wenn man ihnen zuhört.


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